In einem zeitgleichen Gegenwartsschnitt treten ganz verschiedene Schichten des Martinsbrauchtums, das jetzt fast das gesamte ehemals germanische Europa abdeckt, zu Tage: Im Rheinland hat sich das Martinsbrauchtum zunehmend vereinheitlicht und verkirchlicht, während sich in Nordwestdeutschland noch Reste von Maskenbräuchen, in Mitteldeutschland Umzüge und in Schlesien die Martinsgebäcke erhalten haben. In protestantischen Gebieten bezieht sich das Brauchtum auf Martin Luther (Erfurt: Zug der Martinslichter). In anderen Landschaften (Alpen, Württemberg) ist der Bezug zum Heiligenfest kaum zu erkennen. In einigen Landschaften verband sich der Martinsbrauch mit dem Erntefest (Havelland, Alpen, z.T. Rheinland). Es gab spielerische Wettkämpfe um die Martinsgans: wie der Hahn wurden Gänse gerissen, geköpft, geschlagen und geschossen (Tirol, Schwaben) oder Martinsschweine zum Kampf aufeinandergehetzt (Würzburg).
© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln
