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Gripschen

Gripschen (von ndt. „griepen“ = greifen, erhaschen) bezeichnet das Tun der Kinder beim Heischegang zu Martini. Der 11.11. war als Erntefesttag von jeher ein Tag, an dem Geschenke ausgeteilt wurden. Was lag näher als die Übernahme dieses vorchristlichen Brauchs, zumal der Tagesheilige das Symbol christlicher Wohltätigkeit schlechthin war! Ein Beleg für die alte Tradition der Geschenke an Sankt Martin sind die „Martinspennige“, die bis 1246 in Mönchengladbach an das Kölner Stift St. Gereon, später an den Pfarrer, gezahlt wurden. Noch 1633 ist in Mönchengladbach Martini als Geschenktag lebendig: Die Soldaten auf dem Liedberg (Burg im Kreis Neuss-Grevenbroich) erhielten an Martini 6 Taler und 12 Albi, um den Tag würdig zu feiern. Ein alter Beleg für das Gripschen der Kinder findet sich um 1525 in Köln: Hier zogen die Kinder am Vorabend von Martini singend von Tür zu Tür und erhielten, was vom Essen übrig geblieben war.

Vgl. Martinsbräuche.

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

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